In einer eindrucksvollen Rede schilderte Dr. Erich Siems, Ehrenvorsitzender der TG Niedernhausen 1896 e.V. den Werdegang der Turngemeinde in den 125 Jahren seit ihrer Gründung. Eigentlich sollte das 125-jährige Jubiläum eines der größten Sportvereine in Niedernhausen bereits im vergangen Jahr gefeiert werden, das fiel aber der Pandemie zum Opfer. So trafen sich Mitglieder, Freunde und prominente Gäste am letzten Samstag zu einem Festakt in der Autalhalle. Mit fetziger Musik der Rocker von der Musikschule Niedernhausen, einer sportlichen Einlage mit gymnastischen Bodenturnen durch die TG-Mädchenriege, Redebeiträge zum Jubiläum und einem Imbiss feierte die Turngemeinde ihren Geburtstag. Plus eben einem Jahr.

Eine kurzweilige Reise durch die sportliche Vergangenheit versprachen Kristina Hückelkempken und Dennis Eulig, die durch das Festprogramm führten. Volkmar Schrecke, 1. Vorsitzender der Turngemeinde, konnte mit Peter Beuth, Hessischer Minister des Innern und Sport, den Mitgliedern des Bundestages, Alexander Müller und Klaus-Peter Willsch, den Schirmherrn Bürgermeister Joachim Reimann, der Repräsentanten der Sportverbände und Vertretern der lokalen Politik sowie die vielen Freunde der TG Niedernhausen begrüßen. Die Festrede hielt Dr. Erich Siems, der 46 Jahre der Turngemeinde angehört und sie 20 Jahre als Vorsitzender geführt hat. Zunächst von der Obrigkeit kritisch gesehen gründeten 5 Erwachsene und 3 Jugendliche im Jahre 1862 den ersten Turnverein, der sich nach 6 Jahren aber wieder aufgelöst hat. Der Trend zu Bewegung und Körperkultur führte dann 30 Jahre später mit 7 jungen Männern zur Gründung der TG Niedernhausen. Im gleichen Jahr 1896 fanden übrigens die 1. Olympischen Sommerspiele der Neuzeit in Athen statt.

Anschaulich schilderte Dr. Erich Siems nun die Entwicklung des Vereins durch die Jahre vor dem 1. Weltkrieg - aus dem 6 Mitglieder nicht zurückkehrten. Auf einem neuen Turnplatz - in unmittelbarer Nachbarschaft des heutigen Rathauses - konnte nach Kriegsende wieder geturnt werden. Erhebliche Veränderungen erfuhr die TG – bis zur Auflösung - in der Zeit der Nazi´s. Nach dem 2. Weltkrieg gab es am 13. Juli 1947 einen Neuanfang. Den die zunächst kritischen Amerikaner mit ihrer Technik dann kräftig unterstützten. Mit einem Vereinsheim und einem eigenen Sportplatz ist die Turngemeinde dann schnell auf heute 750 Mitglieder und 32 Übungsgruppen angewachsen. Davon rund 40% der Mitglieder unter 14 Jahren, ergänzte Dr. Erich Siems nicht ohne Stolz. Er erwähnte, wie wichtig in der Turngemeinde der Breitensport ist, aber auch welch große Erfolge Aktive in vielen nationalen und internationalen Wettbewerben erworben hatten. Und schließlich, so ist er überzeugt, trägt ein Sportverein neben dem Sportbetrieb auch zur Vermittlung von ideellen Werten, wie Gesundheit, Freizeit, Bildung und dem Sozialgefüge bei. In den 125 Jahren haben Ehrenamtliche einen anpassungs- und wandlungsfähigen Verein geschaffen, der - da ist sich der Ehrenvorsitzende sicher - das stabile Fundament zur Fortentwicklung zwischen Tradition, Zeitgeist und Moderne sein wird.

Mit beeindruckender Choreographie in Anmut und Beweglichkeit zeigten 9 Mädels unter der Regie von Nadine Edler und Juliane Dietrich die Vielseitigkeit im Bodenturnen. 125 Jahre Turngemeinde Niedernhausen sei eine stolze Bilanz, meinte Peter Beuth, Minister für Sport, und als Sportverein eine Bedeutung als „Schwungrad für Gemeinschaft und Zusammenhalt“. Er zeigte sich dankbar für die vielen Ehrenamtlichen in Ämtern und Übungsleitung, die das Wirken in den Sportverein erst möglich machten. Die Integration von geflohenen Menschen, die Inklusion bei Behinderungen Jugendlicher lösen die Sportvereine hervorragend. Das Land Hessen werde weiter Vereine zur Ausübung von Sport fördern und erwähnte als ein Beispiel das Projekt zum „Bewegungscheck der 3. Schulklassen“ als einen wichtigen Beitrag für den aktiven Sport in Schule und Verein. Als Vertreter des Landrates überbrachte Hans Rodius, Kreisbeigeordneter für den Sport Gratulation und Glückwünsche.

Ehrenvorsitzender Dr. Erich Siems hält die Festrede über die Historie der Turngemeinde

Die Mädchenriege der TG Niedernhausen zeigen Übungen auf der Bodenmatte

Als Bürgermeister und Schirmherr des Jubiläums beglückwünschte Joachim Reimann die Turngemeinde als einen wichtigen Bestandteil des sportlichen und gesellschaftlichen Lebens in Niedernhausen zu ihrem Geburtstag. In den letzten Jahren habe die Gemeinde ca. 60.000 € Fördermittel für die TG aufgebracht und werden weiter nach ihren Möglichkeiten unterstützen. Auch Alexander Müller dankt im Namen der Gemeindevertretung für die Arbeit der Ehrenamtlichen in der Turngemeinde. An der er - wie er schmunzelte - ja auch seine Familie teilhabe. Er überbrachte, wie auch MdB Klaus-Peter Willsch, seine Glückwünsche und die Hoffnung auf eine weitere erfolgreiche Zukunft der Turngemeinde. Klaus-Peter Willsch lud den Vorstand zu einem 4-tägigen Besuch nach Berlin ein. Ein geselliges Beisammensein bei Sekt und Häppchen schloss sich an die Feierstunde an. Eberhard Heyne